Der aktuelle Impuls

Reif für neue Perspektiven

 

Als Gemeinde steuern wir mit großen Schritten auf unser 30-jähriges Bestehen zu. Die Zahl 30 begegnet uns auch im biblischen Kontext immer wieder: Priester und Leviten traten nach alter Ordnung im Alter von 30 Jahren in bestimmte Dienste ein. Josef war 30 Jahre alt, als er in Ägypten eine hohe Stellung erhielt, David, als er König wurde, und Jesus begann seinen öffentlichen Dienst mit etwa 30 Jahren.
Man könnte sagen: Die 30 steht für Reife, Vorbereitung und den Eintritt in eine neue Aufgabe oder Lebensphase.
Wenn sich Lebensphasen verändern, verändern sich auch unsere Perspektiven. Deswegen eine Frage an uns: Wo ist es für uns Zeit für neue Perspektiven? Wo lädt Gott uns ein, Reife neu zu entdecken und darin zu wachsen? Ich möchte uns deshalb eine neue Perspektive auf Römer 12,2 ans Herz legen – einen Vers, den wir sehr gut kennen.
Vielleicht sogar zu gut, sodass es gar nicht so leicht ist, ihn noch einmal neu zu entdecken. Deshalb hier aus der NeÜ: „Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt!“
Eine Perspektive, die wir kennen, ist die Kraft des Wortes, die Kraft der Proklamation: mich bewusst auf die Wahrheit Gottes zu stellen. Zu entdecken, wo das, was ich denke und glaube, nicht mit dem übereinstimmt, was Gott über mich sagt – und mich neu der Wahrheit zuzuwenden.
Aber Hand aufs Herz: Wie oft wissen wir es eigentlich besser und denken oder sprechen trotzdem so, wie wir es eben denken? Warum kostet es manchmal so viel Energie, den Kurs zu ändern? Und warum sind manche Gedanken so unglaublich hartnäckig?
Oder darf ich sie einmal Stimmen nennen? Bspw. „Du kannst das eh nicht.“, „Du bist nicht wichtig.“, „Du bist zu alt.“, „Du bist das nicht wert.“, „Du bist zu viel.“.
Kommt dir so etwas bekannt vor? Stimmen, die sich einmischen, uns verunsichern und uns manchmal sogar die Kraft entziehen?
Wie wäre es mit einer anderen Perspektive: Diese Stimmen können Teil der geistlichen Mächte und Gewalten sein, die uns umgeben. Jesus hat sie vollständig besiegt. Das bedeutet aber nicht,dass sie keine Stimme mehr hätten…
Und vielleicht reagieren wir bisher darauf, indem wir argumentieren: „Das stimmt nicht! Ich bin doch ganz anders. Das ist nicht meine Identität.“
Ich möchte dich einladen, anders damit umzugehen: Nimm dir 15 Minuten Zeit. Die ersten fünf Minuten kommst du zur Ruhe. Tritt bewusst in Gottes Gegenwart ein und richte deinen Blick und deinen inneren Fokus ganz auf Ihn. Dann nimm
dir fünf Minuten und erinnere dich an einen Moment des Tages, in dem dich was genervt hat. Wenn dir nichts einfällt, bitte den Heiligen Geist, dir eine Lüge zu zeigen, auf die du vielleicht hörst und die dein Leben beeinflusst.
Sei neugierig. Nimm wahr, ohne zu bewerten: Gefühle, Ängste, deinen inneren Dialog, vielleicht auch Anspannung in einem bestimmten Körperteil. Gibt es einen Satz, der es auf den Punkt bringt?
Vielleicht: „Du bist hässlich.“ „Du gehörst nicht hierher.“ „Du bist böse.“ Reagiere nicht darauf. Schau es einfach an. Dann brich den Bund damit. Atme tief ein und aus. Berühre den Bereich, in dem du diese Spannung wahrnimmst. Gib
dem, was da ist, Raum, bevor du sagst: „Du bist zu viel.“ (…nimm deinen Satz.) „Ich stimme mit dir nicht überein. Das bin
nicht ich. Ich sterbe diesem falschen Ich. Durch das Blut Jesu bin ich davon befreit.“ Beende die Übung mit einer kraftvollen Bewegung oder einem klaren Satz.
Und dann wende dich wieder dem Vater zu. Höre darauf, was er dir in deinem Innersten sagt oder was du von ihm spürst. Überstürze nichts. Nimm nicht einfach den ersten Gedanken. Erlaube dir, in das einzutauchen, was du von Gott
empfängst. Noch was: Wenn du auf dem Weg „nach oben“ Stimmen hörst – vielleicht sogar
viele, die überwältigend wirken –, dann versuche nicht, gegen sie anzukämpfen.
Ignoriere sie und gehe weiter. Richte
deinen Fokus tiefer auf Gottes Gegenwart, auf Jesus. Denn wenn wir gegen die Stimmen kämpfen, schenken wir ihnen Aufmerksamkeit.
Mich erinnert das an Adler: Wenn andere Vögel sie angreifen und in Gefechte verwickeln wollen, tun Adler etwas Erstaunliches. Sie nutzen die Thermik und steigen höher. Dort können die anderen Vögel ihnen nicht mehr folgen.
Vielleicht ist das auch für uns eine neue Perspektive: Wir müssen nicht jeden Gedanken bekämpfen. Wir müssen nicht auf jede Stimme reagieren. Wir dürfen den Blick auf Jesus richten, die Thermik seiner Gegenwart nutzen und höher steigen.
Denn Reife bedeutet vielleicht nicht, dass wir keine Stimmen mehr hören.
Reife bedeutet, zu wissen, welcher Stimme wir unser Leben anvertrauen.
Elisabeth

 

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